Stop

Mannfred läuft um das graue, hässliche Haus herum. Es ist ungefähr so groß wie ein Zweifamilienhaus, im Gegensatz dazu aber in keiner Weise von Leben erfüllt.

Es ist massiv, hart, grau und fensterlos. Manfred läuft drum herum. Entgegen dem Uhrzeigersinn. Laut klatschen seine Füße immer und immer wieder auf den nassen Betonboden. Die Straße auf der er läuft ist zerfurcht und alt. Grau und nass. Mannfred läuft um das Haus, hat es schon wenigstens 10 mal umrundet.

Er sieht ab und zu nach links zum Haus hinüber. Es ist Nacht, doch die Sterne sieht Mannfred nicht, längst nicht mehr. Es ist alles wolkenverhangen und immer wieder gießt es in fürchterlichen Schauern. Außer dem Wind, der um die Häuser pfeift ist nichts zu hören. Nach der 12. Runde

beginnt Mannfred jedoch schneller zu laufen. Er bewegt sich nun in strammem Schritt um das Betonhaus. Sorgenfalten auf seinem Gesicht zeugen von Beunruhigung. Da! Mannfred hört ein Geräusch, schaut verängstigt zurück ohne aber langsamer zu werden. Seine Schritte nehmen zu. Schon 15 mal

hat der den Betonkomplex umkreist. Er keucht. Er joggt nun schon. Eine Angst ergreift ihn, deren Erkenntnis selbst ihn so verunsichert und tyrannisiert, dass seine Schritte weiter zunehmen und seine Mimik sich zunehmend verzerrt.

Die 17. Runde.

Mannfred rennt. Er weiß nicht warum, doch langsamer zu werden oder gar anzuhalten wagt er nicht. Er läuft. Er muss laufen. Hart schallen seine Schritte durch die Luft. Mannfred ist völlig durchnässt. Vom Regen, vom Schweiß. Er schaudert immer wieder, glaubt Gestalten zu erkennen. Immer schneller umrundet Mannfret den riesenhaften Betonklotz.

Er gerät zunehmend außer Atem. Sein Gesicht blickt verzweifelt in die Nacht.

Runde 23.

Mannfred rennt, saust. Getrieben wie hilfloses Vieh, gejagt wie von höllischen Bestien.

Er blickt nach links auf die tote Betonwand, versucht ein Fenster zu erspähen, Einblick zu erhalten. Vergebens.

Runde 26.

Mannfred gibt alles, die letzten Kräfte werden mobilisiert. Doch es gibt kein Entrinnen. Er hört Schritte schallen wie Maschinengewehre. Wem entstammen sie? Sind es die Eigenen? Runde 30.

Mannfred rennt um Leben und tod. Sein Gesicht verzerrt wie eine grässliche Maske, keuchend wie ein gehezter Bulle. Immer öfter sieht er sich schreckhaft um, während der den Betonbunker umkreist.

Runde 34.

Mannfred aktiviert die aller letzten Reserven um zu entkommen. Doch alles was links vorbei zieht ist ihm bekannt. Die graue, kalte Wand. Die nackte, nasse Mauer. Der blanke, tote Beton. Mannfred fällt der Kopf in den Nacken.

Runde 38.

Er atmet unregelmäßig. Halb bewusstlos ist es nur noch die nackte Angst, die seinen Körper weitertreibt. Jenseits aller Grenzen. Mannfreds Wille zur Angst ist stärker als sein Körper. Runde 43.

Röchelnd bricht Mannfred zusammen. Um Luft ringend liegt er auf dem Boden, blickt in den schwarzgrauen Himmel. Er bemerkt Schatten. Die Todespanik greift nach ihm; schließlich umschließt ihn der Schatten. Zu Tode gehetzt liegt er im Regen auf dem nassen Beton. Allein in der kalten Welt.

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