Mit offenen Karten

Ich denke jeder Leser hat es schon erlebt: Das unterdurchschnittliche Fernsehprogramm in Deutschland. Zwischen viertklassigen Talkshows, Wissenssendungen, die auf wissenschaftliche Methoden verzichten und unzähligen Castingshows ist es nicht einfach ein Programm zu finden, dass mehr bringt als Stromkosten. Aber es gibt sie noch, die wertvollen Programme, die den Zuschauer bilden und sogar als Kultur bezeichnet werden können.

Eine dieser seltengewordenen Sendungen ist das eher kleine Geopolitikmagazin “Mit offenen Karten”.

Einmal in der Woche, momentan immer Samstags 19:20 auf Arte, kann man diese wirklich gelungene Sendung genießen.

Durch das Thema führt der Politikwissenschaftler Jean-Christophe Victor, der auch in der Ausarbeitung der Themen die Leitung inne hat.

Ich widme mich heute “Mit offenen Karten” auch deshalb, da die Sendung nunmehr seit 20 Jahren besteht und ihr Konzept nicht verändert hat.

Noch heute zeigt Jean-Christophe Victor anhand von Karten verschiedenste Sachverhalte aus Geopolitik, Geschichte oder Finanzwesen. Dabei sind die Erklärungen immer sehr einfach verständlich und in wirklich jeder Sendung erfährt der Zuschauer interessantes und lernt garantiert Neues dazu.

Ich bin natürlich kein Politikwissenschaftler und viel mehr werde ich auch nicht zum Thema sagen, denn Jean-Christophe Victor kann selbst am besten erklären wie er arbeitet:

Zum Abschluss noch einmal: Jeden Samstag 19:20 auf Arte!

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Erik Satie

Heute möchte ich einmal einen der nicht ganz so großen Komponisten vorstellen. Ich persönlich habe seine Musik in letzter Zeit schätzen und schließlich lieben gelernt. Nach meiner Einschätzung gibt es nur sehr wenige vergleichbare Komponisten und Musiker, die wie er so anrührend, gefühlvolle und geheimnisvolle Melodien schufen. Das bekannteste Werk dürfte wohl die Gymnopedie No. 1 sein:

Ja, ich weiß das Video schreibt in der Überschrift Gymnopedie No. 3 aber es ist dennoch die No. 1.

Ich habe keine (für mich) wirklich gute Version gefunden und greife deshalb hier auf die Orchestrierung durch Debussy (den ich ebenfalls hoch schätze) zurück. Ich finde dies ist eine wundervolle Version.

Erik Satie wurde 1866 geboren und wirkte mit der Künstlergruppe Les Six zusammen. So zum Beispiel im Rahmen seines vielbeachteten Ballet “Parade”, für das Picasso das Bühnenbild entwarf und Jean Cocteau die Handlung verfasste. Er arbeitete also mit sehr großartigen Künstlern zusammen.

Dennoch stelle ich immer wieder fest, dass er vielen Menschen komplett unbekannt ist.

Hier noch ein weiteres Glanzstück wie ich finde:

Die Gymnopedie No. 3

Hier gespielt von Pascal Rogé und wie ich finde sehr gut gespielt.

Bei diesem Lied denke ich an den Herbst, der draußen am Fenster vorbeirauscht und allen Enthusiasmus des Sommers mit sich nimmt. Dieses Lied treibt mir Tränen in die Augen und macht mir die Realität bewusst.

Und wenn wir nun schon in Melancholie schwelgen und uns die Trauer der Welt bewusst machen, muss ich gleich noch ein Stück anfügen.

Die Gnossienne No.1

Meiner Meinung nach ist das die beste (in meinem Land) verfügbare Version des Stücks auf YouTube.

Nach diesen musikalischen Leckerbissen soll noch etwas zu Erik Satie gesagt werden. Er galt trotz der grad gehörten Musik als lustiger Mensch und war besonders bekannt durch seine skurilen Namen der Werke. So z.B. seine bürokratische Sonatine oder die 3 schlaffen Präludien für einen Hund. Die bürokratische Sonatine zeigt einen harmonisch deutlich vergrößerten Raum, die schlaffen Präludien habe ich selbst noch nicht gehört.

Die Werke Saties sind insgesamt oft geheimnisvoll, fast verwunschen und bei alledem sehr empfindsam.

Ein letztes Beispiel möchte ich noch anführen. Dabei handelt es sich nur um einen Ausschnitt des Stücks “Vexations”, zu deutsch Quälereien. Dieses Stück besteht nur aus 2 Notenzeilen, die nach Anweisung aber sehr langsam gespielt und 840 mal wiederholt werden sollen. Eine komplette Aufführung dauert ca. 20-28 Stunden, je nach Geschwindigkeit. Das Stück ist tonal sehr frei, weshalb der ein oder andere sicher vorschnell Schlüsse zieht. Genau das ist bei diesem Stück sehr schwer, denn nach 10 Minuten kann man es nicht beurteilen. Erst wenn man es tatsächlich mehrere Stunden hört, entfaltet es seine Mantra artige, mystische Stimmung, die es dem Hörer ermöglicht tief in sich hinein zu schauen.

Leider existieren nicht viele Einspielungen seiner Stücke, da sie in der Regel nicht übermäßig anspruchsvoll sind und daher offenbar von den “großen” Pianisten nicht in Erwägung gezogen werden, was ich sehr schade finde und für einen Fehler halte.

Ich bin ein großer Verehrer seiner Musik geworden und kann sie nur aller wärmstens empfehlen!