Der gewöhnliche Mensch

„Ich sehe Menschen“ sagte Mannfred. Er stand in einer riesigen Flughafenhalle. Überall um ihn herum waren Menschen. Er drehte sich nach links. An der entfernten Wand stand ein mittelgroßer Putzwagen, einem Regal ähnlich.

Mannfred klappte die Karte des Flughafens zusammen. Er legte die Karte bei Seite und blickte nun stumm und starr auf die dunkelhölzerne Tischplatte. So saß er ewig. Regungslos. Nun zerfloss der Tisch unter ihm hinweg. Er löste sich in eine dickflüssige Farbe, ein tiefes Blutrot auf. Mannfred begann zu fallen. Bestimmt 20 Meter. Er fiel durch eine smaragdgrüne Röhre und an ihrem Ende erlebte er einen Moment der absoluten Stille. Dann fiel er laut platschend ins Wasser des warmen Ozeans. Er schwamm durch die tropische Bucht hindurch an den Strand. Hier begann er alle Bäume zu fällen. Aus den zahllosen Stämmen baute er ein Boot. Nun segelte er einem mutigen Seemann gleich das Meer entlang. Die See wurde jedoch zusehends rauer und stärker. Das aufbrausende Meer schien gegen ihn zu kämpfen. Fast schwarze, meterhohe Wellen des Höllenmeeres rissen sein Boot schließlich nach Stunden des Kampfes brutal in Stücke. Noch bevor er auf die Wasseroberfläche aufschlug, flog er schon mit Engelsflügeln dem Himmel entgegen. Er ließ all die Wolken hinter sich und wollte bis in die unendlichen Weiten des Himmels aufsteigen. Er wollte Freiheit, wollte loslassen, entfliehen.

Doch so weit oben wird die Luft dünn. Schwäche überflutete ihn langsam aber stetig. Sein Siegeszug gen Himmel verlor immer mehr an Geschwindigkeit, weniger aus verlorener Überzeugung heraus, vielmehr sich dem Erstickungstod beugend. Es war ein unbeschreiblich grausames Gefühl.

Er begann nun gegen seinen Willen zu fallen. Er fiel. Schneller, schneller, bis die gesamte Welt um ihn herum nur noch aus Fäden zu bestehen schien, einer Flüssigkeit ähnlich floss sie mit enormer Geschwindigkeit an ihm vorbei. Als der Strom der Welt schließlich sein Glas gefüllt hatte, schloss er die Flasche und stellte sie auf den Tisch. Wut über sein eigenes ich überströmte ihn. Er nahm die Flasche am Hals und warf sie mit aller Kraft an die gegenüberliegende, schwarze Wand. Das Glas zersplitterte.

Tausende Seelen wurden in den Tod gerissen. Mannfred lief durch durch die Ruinenlandschaft der ihm unbekannten, zerbombten Stadt und wollte helfen, retten. Er konnte niemanden mehr retten. Man verstand ihn nicht.

Mannfred fühlte sich oft un- oder missverstanden. Öfter miss- als unverstanden. Er lief. Er rannte durch die endlose Ruinenlandschaft seiner selbst einem Flüchtling gleich. Warum? Er konnte es nicht sagen. Wollte es nicht sagen? Doch eine Hütte in einiger Entfernung erregte seine Aufmerksamkeit. Er ging hinein und schloss die Tür. Die Fahrt ging nach unten. Dass hatte er vorher gewusst. Der Fahrstuhl schien geradezu in die Hölle zu rasen. Durch die Erde hindurch, schoss er auf der anderen Seite wieder heraus. In einiger Höhe jedoch verlor der Fahrstuhl an Schub und fiel zurück in Richtung Erde in Form eines Tropfens. Dieser schlug nun ins riesige Meer ein, indem schon unzählige ähnliche Schicksale schwammen. Mannfred war am Ende. Er war gewöhnlich geworden. Er war bedeutungslos und namenlos, jetzt. Das riesenhafte Glas hob sich nun und in einem finalen Zug, leerte der große, dunkle Mann das ganze Glas auf einen Hieb; in ihm unser Held und tausende seiner Mitmenschen strömten in den Rachen hinab und wurden bis zu ihrem Tod nicht mehr erwähnt. Sie alle wurden geschluckt.

Was ist passiert?

Nun haben wir also 2011 erreicht und somit ist Jazzbob’s Blog ein Jahr alt. Yeah!

Im Jahr 2010 haben sich hier über 2000 Besucher umgesehen, amüsiert, sinniert oder versucht mir Spamkommentare unterzujubeln.

Ich selbst habe 52 Artikel veröffentlicht, also etwa einen pro Woche. Nicht mit eingerechnet sind dabei Bilder oder Texte der Literaturabteilung.

Die allermeisten Besucher kamen über den Umweg StudiVZ oder über Facebook. Einige ebenfalls über Google.

Sie suchten nach: Integration, Icy Tower(lustig), Thilo Sarrazin(aha) oder Nintendo Wii vs. Playstation Move.

Die meisten Besucher innerhalb der Seite verbuchte der Bilderbereich, sowie die Artikel zu Icy Tower und der IPhone Pianoapp.

Tja soweit die Statistik. Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht und ich werde auch in 2011 dranbleiben.

Demnächst folgen noch einige Artikel zu meiner Tätigkeit als Kommissar, ein Artikel zum Free Jazz und natürlich einige Surreale Reisen.

Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Kritik.

 

Surreale Reise V

Ich sitze in der Provinz und sehne mich in die Welt hinaus.

Aus einer Stoffserviette und Zahnstochern bastele ich mir einen handgroßen Drachen. Ich klebe ihm ein Gesicht auf, weiß aber nicht worüber ich mit ihm reden soll und löse es deshalb wieder ab. Ich gehe vor die Tür, nehme den Drachen fest in die Hand und will mit ihm fliegen. Leider ist er wohl zu klein geraten.

Ich denke mir also einen außergewöhnlich starken Wind und mit ein bisschen Fantasie hebe ich auch schon ab.

Sanft werde ich über die Baumwipfel der Wälder getragen und lasse den Wind die Richtung bestimmen. Während ich so dahinfliege übe ich an der Schnur des Drachen verschiedene Schiffsknoten.

Kurz darauf lässt der Wind etwas nach und ich gleite behutsam zu Boden. Ich lande mitten im Wald auf dem Dach eines Tagungszentrums und da ich nun schon mal da bin entschließe ich mich auch gleich ein Wochenendseminar anzubieten.

Folgendes Programm melde ich bei der Leitung des Komplexes an:

Fr, 14-16 Uhr:

Holzspielzeug. Qualitätskriterien und Produktionsmechanismen in der EU.

Fr, 16-17 Uhr:

Kaffeepause

Fr, 17-20 Uhr:

Thematischer Häkelkurs “Albanische Reisebestimmungen”

Sa, 10-13 Uhr:

Die türkische Hochzeit. Planung und Gestaltung.

Sa, 13-14 Uhr:

Mittagspause.

Sa, 14-16 Uhr:

Die Latschenkiefer und ihre Bedeutung in der Diplomatie.

Nach der Kaffeepause am Samstag endet das Seminar und ich habe etwa 40 Teilnehmer aus allen Bereichen der Industrie und Dienstleistung in ihrem Leben bereichert.

Ich denke kurz an Rainald Grebe zurück und lasse mich von einem Taxi zu nächsten Stadt bringen.

Es ist Ulaanbaatar. Ich freue mich, denn schon immer wollte Mongolei besuchen. Ich bin tolerant und aufgeschlossen, daher versuche ich mich sogleich den hiesigen Umständen anzupassen und bastele aus den Resten meiner Serviette, die teilweise noch in Drachenform ist, eine traditionelle Jurte der Nomaden dort.

Ich kaufe noch schnell ein paar Vorräte für den Winter und baue dann in der Steppe meine Behausung auf, nachdem ich die Stadt vollbepackt wieder verlassen habe.

An Phantasie mangelt es mir nicht und daher kann meine Jurte natürlich auch fliegen. Ich entscheide mich für einen Flug zum Pazifik, da mich die Inseln und Atolle dort von je her fasziniert haben.

Nach 5 Minuten Flug lande ich auf einem unberührten Eiland und scheide sofort große Löcher in die Außenhaut der Jurte um mich den tropischen Temperaturen anzupassen. Ich laufe zum Strand und bade ausgiebig in der azurblauen Lagune, die meine kleine Insel umgibt.

Ich probiere einige der mir unbekannten Früchte der Insel und baue meine Jurte dann frisch gestärkt zu einem Boot um.

Blöd natürlich das ich vorhin erst Löcher in die Außenhaut geschnitten habe, doch gedankenverloren wie ich manchmal bin fällt es mir erst auf als ich schon auf hoher See bin.

Ich bin leider weit ab von festem Land und muss mir daher etwas einfallen lassen um der Situation zu entkommen.

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Das Boot läuft also voll Wasser schnelles Handeln ist gefragt. Kurzer Hand baue ich aus einer Zeltstrebe eine Angel und fange 6 bis 8 Fische.

Sie sind zuvorkommend und freundlich, daher ist es kein Problem mir einige Schuppen leihen um damit die Löcher zu stopfen.

Nachdem mein Boot nun wieder hochseetauglich ist setze ich Kurs auf den Nordpol. Nun ist der Weg dorthin natürlich weit aber da ich in der Jurte ja extra Proviant für den langen mongolischen Winter gehamstert habe, bin ich guten Mutes.

Ich schippere also an der kanadischen Küste entlang und nähere mich Alaska.

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Das dort oben ist mein Blick in Richtung Norden, stehend auf meinem Boot. Das Bild sieht deshalb etwas unnatürlich aus, weil ich es mit meinem Handy geschossen habe; aber es ist der Beweis für meine abenteuerliche Fahrt!

Als ich nach 2 Tagen endlich nördlich an Alaska “stoße” stelle ich fest, dass ich erst noch viel weiter gen Westen muss und entscheide mich dann zwischen Chelan Bank und Sanak Reef in die weiteren nördlichen Gefilde einzudringen. Darauf entscheide ich mich für einen Kurs hart gen Norden durch das tückische Bering Meer.

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Hier oben seht ihr meine Route, die ich entlang gepaddelt bin. Ich kann sie deshalb so genau nachzeichnen, weil ich mir noch direkt auf dem Meer(etwa in Höhe San Francisco) die neue Jamba!-Handyortung gekauft habe. Natürlich im Spar-Abo.

Und nun befinde ich mich also mitten im Polarmeer, im Nordpolarmeer. Ich mache eine Pause und entspanne meine Arme eine Weile vom paddeln. Ich genieße die Stille der Pols und betrachte, wie die Erde rund um mich zur Kugel abfällt.

Schließlich mache ich mir einen außerordentlich starken Grog und nehme Kurs auf Spitzbergen in der Hoffnung noch nördlicher als Spitzbergen das sagenumwobene Nordland zu finden. Da ich mir meinem Boot auf dem Pool stehe fahre ich also erst einmal nach Süden. Ich kann es nicht fassen: Schon nach wenigen Stunden treffe ich auf Land, obwohl ich noch weit nördlich von Spitzbergen oder Franz-Josef-Land bin.

Ich legte an und zwar zu meinem eigenen Erstaunen an einem prächtigen Steg. Ich machte mir so meine Gedanken um das Land und ob ich mich vielleicht doch verirrt hatte trotz Jamba!-Handy-Ortung und ungeteilter Aufmerksamkeit.

Jedenfalls machte ich mich zu Fuß auf den Weg ins Innere der Insel, die erstaunlicherweise bewachsen, grün und nur stellenweise verschneit war.

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Schließlich wurde ich eines prächtigen Palastes ansichtig. Sogleich wurde ich von Wachen vorgelassen und dem König vorgeführt.

Es stellte sich heraus, dass ich tatsächlich im sagenumwobenen Thule gelandet war. Da ich nun schon einmal da war, blieb ich zum Essen und zur Freude des Königs laß ich ihm “Es war ein König in Thule” von Goethe vor. Handyempfang hatte ich nicht auf Thule aber ich ich hatte noch eine Taschenausgabe von Faust dabei.

Ich blieb so noch bis zum Einbruch des Winters und flog dann mit meiner Jurte nach Hause zurück.

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Das ist das Schoss des Königs in Thule. Irgendwie erinnert es mich noch immer an etwas…

surreale Reise III

Es ist Dienstag. Früh am Morgen, genauer kurz vor 7 verlasse ich das Haus um zur Uni aufzubrechen. Das erste Seminar beginnt schon 8:15. Nach einer kurzen Zeit in der U Bahn komme ich am Zoologischen Garten an. In der U Bahn sitze ich zwar immer nur  etwa 8 Minuten, in meiner Phantasie vergeht aber ein ganzes Jahr und so habe ich genaue Vorstellungen davon, was mit dem frühen Dienstag anzufangen ist. Am Zoo entscheide ich mich nach Paris zu fahren. Ich möchte mich in die Reihe der Menschen stellen, die jedes Jahr ohne gesicherte Zukunft und ohne zu wissen was genau sie wollen, nach Paris fahren.

Diesen Menschen habe ich lediglich eines voraus: Ich habe einen Plan!

Ich fahre also mit der S Bahn bis zum Westkreuz und stelle mich mit einer eindeutigen Daumenbewegung an den Rad der Autobahn. Schon nach 1 Stunde hält ein Auto: ein mattgrüner VW Transporter mit einigen braunen Rostflecken. Es ist einer jener eckigen Transporter der 80er Jahre.

Der Mann am Steuer lächelt mir zu:

“Hey steig ein, ich fahr nach Hannover! Genehme Richtung?”

 

“Oh ja, danke!”, entgegne ich und nehme auf dem verschlissenen Sitz Platz. Wir fahren los. Erst jetzt sehe ich mir den Mann genauer an.

Er trägt eine hässliche Baseballmütze, trägt eine schmuddelige Jeans und über einem weißen T-Shirt eine nicht sehr stilbewusste rot-schwarz karierte Weste.

Aus dem Radio dringt leise Schlagermusik in mein Ohr. “Wohin willste denn?”

“Nach Paris”

“Oh wat willstn da?”

“Weiß nicht.”

“Mh”

Danach sprechen wir nicht mehr bis wir kurz hinter Magdeburg an einer Raststätte halt machen.

“Ich bin übrigens Walter, kannst ja kurz ’n Kaffee trinken, ich muss auf Klo.”

“Ok, ich setz mich an einen Tisch und warte dann.”

Wir steigen aus und knallen die klapprigen Türen zu. Offenbar hält Walter es nicht für nötig abzuschließen. Er geht zielstrebig zur Toilette. Ich kaufe, nachdem ich meinen Geldbestand überprüft habe, einen Kaffee am Automaten.

Ich setze mich an einen nahegelegenen Tisch, sodass ich die Tür im Auge behalten kann.

Ich schaue aus dem Fenster auf den verregneten Parkplatz und träume von einem Sommer, der den Namen verdient.

Ich stell mir wie ich am Strand liege und eine warme Brise um mich weht. Ich höre seichte Musik, die karibisch klingt. Plötzlich wird mich unbehaglich. Der Bass der Musik ist seltsam, so ein ungleichmäßiges Brummen, fast schon ein Knattern.

Ich schrecke hoch. Auf dem Parkplatz sehe ich den alten Bus in dem Walter sitzt und gerade davonknattert. Ich zucke als wollte ich aufspringen, merke aber sofort das es nicht lohnt.

Ärgerlich schlürfe ich den restlichen Kaffee aus und überdenke den weiteren Weg.

Der Regen klatscht im Rhythmus der Windböen an das große Fenster. Ich starre auf die Scheibe und höre das wellenförmige Aufklatschen des Regens.

Ich bemerke, dass ich an einem Strand bin und gehe ein paar Schritte am Strand entlang. Gleichmäßig klatschen die Wellen an den Strand. Links neben mir reihen sich in ewiger Folge Palmen aneinander, rechts in der Ferne über dem Meer steht der Himmel stahlgrau.

Während ich mich noch frage warum der Himmel so traurig aussieht, wo das Meer und der Strand doch so schön sind, trete ich aus der Tür, die überm Meer steht.

Ich bin wieder auf dem Parkplatz und stehe im Regen.

Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Telefonzelle und laufe schnell darauf zu um dem Regen zu entgehen.

Darin angekommen kommt mir ein Gedanke der mich schmunzeln lässt: Meine Kleidung ist nicht übermäßig fein aber doch angemessen für einen nicht völlig verarmten Reisenden.

Also suche ich mir aus dem Telefonbuch einen Taxiservice.

Nach wenigen Minuten ist das Gespräch beendet und ein Taxi unterwegs zu meinem Rastplatz. 

Gleich nachdem das Taxi angehalten hat, springe ich auch schon hinein und spreche mit dem Fahrer.

“Ich möchte nach Paris.”

“Das kannste aber vergessen! Da bin ich ja ewig unterwegs.

Ich kann dich nach Köln bringen aber weiter fahr ich nich.”

“Mh, ok. Dann machen wir das so.”

Um dem Fahrer eine gewisse Sicherheit zu vermitteln frage ich noch: “Und wie viel kostet mich das in etwa?”

“Aber wir kommen da sicher auf so 600€, das is dir klar?”

“Alles klar, das ist in Ordnung! Dann kanns losgehen.”

“Ich habe zwar nur den Rucksack hier aber bitte packen Sie den doch dennoch in den Kofferraum.”, sage ich so monoton wie möglich.

In vollem Bewusstsein meiner Zahlungsunfähigkeit startet die Reise zurück auf die Autobahn.

“Was willste denn in Paris? Urlaub?”

“Ne nur mal so.”

“Ach^^ nur mal so, na dann.”

Er schüttelt den Kopf und wir sprechen eine ganze Weile nicht.

Ich nach einer stunde monotonem dahin sausen schläfert mich der gleichmäßig brummende Motor ein.

Ich sitze in einem Flugzeug und fliege auf Paris zu. Irritiert bemerke ich, dass ich auf dem Platz des Co-Piloten sitze und blicke den Kapitän verwundert an. Er ist meinem Taxifahrer aus dem Gesicht geschnitten. Er bewegt seinen Mund ohne zu sprechen, dennoch weiß ich was er will: Er will Geld und droht mich ansonsten umzubringen.

Daraufhin blicke ich aus der Frontscheibe und sehe, wie unser Flugzeug im Sturzflug auf den Eifelturm zuhält.

Angstschweiß tritt auf meine Stirn und mit einem unangenehmen Zucken erwache und finde mich auf den schwarzen Ledersitzen des Taxis wieder.

“ Sind gleich da”, bemerkt der Fahrer.

Wir biegen in eine scharfe Kurve ein und sind am Hauptbahnhof gelandet. Der Taxifahrer bremst sachte ab und wir kommen zum Stehen.

“So, wie du siehst”, er deutet auf die Anzeige, “macht der Spaß dann 618€.”

“Alles klar, ich hab das Geld in meiner Tasche!”, lüge ich ihm kackendreist ins Gesicht.

Wir steigen aus und er öffnet den Kofferraum. Ich nehme meine Rucksack, täusche vor ihn öffnen zu wollen und renne los wie ein Bekloppter.

“Hey! Das kannste aber vergessen!” schreit mir der Fahrer hinterher, steigt in sein Taxi und nimmt die Verfolgung auf.

Ich renne direkt in Richtung Dom. Ich lasse den Dom hinter mir und renne, schon ziemlich außer Atem weiter geradeaus in die Hohe Straße.

Ruhe erfasst mich, ich laufe langsamer. Zum ersten Mal in meinem Leben erfüllt mich Freude über das Vorhandensein einer Fußgängerzone.

Nachdem ich so etwa 1 Stunde(ich habe meine Uhr vergessen) in der Fußgängerzone genug habe, entscheide ich, dass es gut war mit dem Taxi zu fahren, gut den Mann nicht zu bezahlen und noch besser ungeschoren davongekommen zu sein.

Es ist 20 Uhr(ich lese es auf der Bahnhofsuhr ab) als ich wieder am Hauptbahnhof eintreffe. Ich erfahre an der Reiseinformation, dass noch heute mehrere Züge fahren, ich aber jedes mal 3 bis 4 mal umsteigen müsste. Deshalb entscheide ich mich erst am nächsten Morgen mit dem ICE zu fahren, direkt nach Paris!

Ich freue mich sehr. Allerding muss ich auch dort 1 mal umsteigen, denn nachdem ich 4:22 hier losgefahren bin muss ich dann 6:00 in Frankfurt a.M. umsteigen.

Ich wäre dann noch vor 10 Uhr in Paris. Was für eine Freude mich durchströmt. Erst einmal muss ich jedoch die Nacht überbrücken.

Ich nehme vorrausschauend schon mal Platz auf einer Bank auf Gleis 1. Ich beobachte die Menschen. Der Bahnsteig ist völlig überfüllt.

Drängende Massen umgeben mich, sie strömen hierhin und dorthin. Ich weiß nicht, ob ich mich anschließen soll. Ich lehne mich nach vorn und stelle fest, dass der Boden unter meinen Füßen sandig ist. Wo ist eigentlich das Gleis und auf welchen Zug warten die den alle? Warum laufen sie im Kreis.

Durch kurz auftretende Lücken zwischen den Massen sehe ich mehrmals ein großes Objekt. Ich bin verwirrt. Die Neugierde steigt in mir auf. Die Idee! Ich steige auf meine Bank und blicke auf die Menge. Mein Atem steht still.

Eine gewaltige Menge von Menschen läuft um mich herum, Nein! sie laufen an mir vorbei, sie umrunden einen riesigen schwarz verhängten Quader. Sie drängen zu ihm hin, wollen ihn berühren und man fühlt eine große Kraft, die von der Menge ausgeht oder auf sie herab geht?

Während ich mir den Kopf darüber zerbreche wer hier wen beeinflusst und warum die Kaaba jetzt am Kölner Bahnhof steht, fällt mir ein Mann auf, der nicht zu dem Stein strebt, sondern sich zielgerichtet auf mich zubewegt. Er trägt die Uniform eines Polizisten.

Ich blicke ihn starr an. Er baut sich vor mir auf.

“Wenn Sie hier schlafen wollen, müssen Sie sich erst mit mir einigen.”

“اللغة العربية” antworte ich trotzig und steht widerwillig auf.

Als ich stehe bleibe ich wie angewurzelt stehen. Was habe ich eben gesagt?

“تاريخ الاسلام” frage ich den Polizisten aber er blicht mich nur ungläubig an.

Erst jetzt bemerke ich, dass der Bahnsteig leer, die Kaaba verschwunden und der Polizist schon weitergegangen ist.

Ich laufe zur nächsten Bank und setze mich wieder, nachdem ich mir am Automaten einen Kaffee gekauft habe.

Wie ein Blitzschlag trifft mich plötzlich die Erkenntnis der Möglichkeit das Taxisystem auch auf ein Hotel anzuwenden.

Mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht nehme ich mir ein Zimmer im Kommerz Hotel gleich am Bahnhof.

Am nächsten Morgen packe ich schnell meine Sachen zusammen und verlasse guten Mutes das Hotel. An der Rezeption habe ich für eine Nacht verlängert und einen Mittagstisch bestellt.

Am Bahnhof stelle ich erschüttert fest, dass es schon 5:30 ist! Mein Zug also in 30 Minuten schon von Frankfurt abfährt.

Surreal veranlagt wie ich bin, erkenne ich meine Chance im Getränkeautomaten. Ich werfe 1,60€ ein und drücke auf Coke.

Der Automat öffnet seine Tür, ich steige ein und drücke versehentlich auf “K”. Im Keller steigt ein Arbeiter dazu. Ich drücke “Frankfurt Hbf Gleis 16” und er teilt auf der 5 Minütigen Fahrt das Frühstück mit mir.

Endlich steige ich aus und in den ICE nach Paris ein. Nach 40 Minuten war noch kein Schaffner da und wir halten das erste Mal in Mannheim. Es geht weiter Über Kaiserslautern und Saarbrücken. Doch dann! Nicht eine Minute nach dem Start vom Hbf Saarbrücken betritt ein Schaffner meinen Wagen. Ich nehme gelassen meine Tasche und schlendere zum nächsten Wagen und in die Toilette. Natürlich schließe ich nicht ab, sodass niemand von außen sehen kann, dass sie besetzt ist. Ich warte 10 Minuten als sich plötzlich die Tür öffnet. Ich schreie sofort: “Du SCHWEIN!”

Und bevor die Tür auch nur halb geöffnet ist, schließt sie schon wieder. Glück gehabt.

Nach weiteren 20 Minuten traue ich mich schließlich raus und stelle glücklich fest, dass mein Platz noch frei und der Schaffner weg ist. Tatsächlich gibt es keinen weiteren “Zwischenfall” bis ich schließlich Paris Est aussteige.

Geschafft! Geschafft! Ich bin von Glück durchströmt als ich den Bahnhof verlasse. Ich trete auf den Vorplatz des Bahnhofs und blicke auf den großen Baum, der mir dort gegenübersteht. Ich gehe ziellos und voller Freude nach Rechts auf die Rue du 8 Mai 1945 zu, als plötzlich eine seltsame Melodie erklingt und eine Männerstimme sagt: “Nächster Halt: Golm.” Dann grummelt jemand irgendetwas von Ausstieg hinterher und eh ich mich versehe stehe ich auf dem Campus in Golm =)

surreale Reise II

Ich steig aus dem Zug und setz mich auf meinen Koffer. Freundlich surrend fährt er los. Ich fahre quer durch den Wald. An einem Kiosk nehme ich ein Pistazieneis im Vorbeifahren mit. Ich habe es fast aufgegessen, da komme ich in Berlin an. Auf dem Hackeschen Markt ist es laut und voll. Ich steige von meinem Koffer und verteile Schilder zum umhängen. Drauf steht: “Ich bin ruhig.” Und es klappt sogar, jeder mit so einem Schild um den Hals verhält sich völlig ruhig.

Kartenbild

Da oben auf der Karte mal kurz der Weg, den ich auf dem Koffer zurückgelegt habe!

Auf jeden Fall war es nun ruhig um mich. Erst jetzt bemerke ich, dass ich viel zu weit gefahren bin. Ich fordere die Schilder zurück, stecke sie in meine Hosentasche und fahre zurück nach Charlottenburg. Zuhause angekommen helfe ich noch 3 Stunden im Kindergarten aus und trinke dann bis zum Abend 6 l Kakao und sehe mir 4 DVDs dabei an. Dann wird mir langweilig. Ich starte.

Das Haus vibriert und löst sich schließlich mit einem ächzenden Geräusch vom Boden. Ich fliege etwa 3 Km senkrecht nach oben und dann in Richtung Süden.

An einer kleinen Bucht am Mittelmeer lande ich wieder und genieße den Ausblick aufs Meer. Kurz darauf habe ich aber wirklich keine Lust mehr und wache auf:)

Nebenjob

Ich hab die letzten Wochen übrigens einen kleinen Nebenverdienst ausgeführt. Eines Abends erhielt ich einen Anruf von der Polizei. „Mist“, dacht ich mir. „Jetzt ist es aus.“, mir trat Angstschweiß auf die Stirn.

Jedoch beruhigte ich mich schnell, als der nette Herr Beamte mich wissen ließ, dass sie dringend einen Ersatzkommissar suchen. Aufgrund meiner prekären finanziellen Situation nach der Finanzkrise, stimmte ich sofort zu.

Tja und so hat es sich nun ergeben, dass ich 2 mal die Woche dort aushelfe. Für 3000€ im Monat kann man das machen denke ich. Man hat mir ein kleines Büro eingerichtet in der Polizeiwache am Abschnitt 28 also fast bei mir um die Ecke. Ich hab auch nur unter 3 Bedingungen zugestimmt:

1. das erwähnte Gehalt

2. ein Bang&Olufsen Soundsystem für das Büro

3. ein kurzer Anfahrtsweg

Im Nachhinein muss ich sagen hätte ich auf den letzten Punkt verzichten sollen und statt dessen ein Einsatzfahrzeug zur freien Verfügung verlangen sollen. Aber naja was solls. Nächste Woche gehts los(also Morgen) und dann schauen wir mal weiter.