Surreale Reise IV

Weihnachten steht vor der Tür und ich möchte am liebsten die ganze Familie reichlich beschenken. Doch leider ist mein Budget als Student sehr begrenzt. Was also tun?

I.

Ich beginne stundenweise im Call-Center zu arbeiten. Montag bis Freitag, jeweils 3 Stunden. Daneben kellnere ich Freitag, Samstag und Sonntag; jedes mal von 18 – 3 Uhr. Gleich darauf trage ich Zeitungen aus, das aber natürlich auch werktags!

Außerdem packe ich jeden Abend im Kaisers an der Deutschen Oper zwei Stunden den Müll zusammen und ebenfalls täglich morgens von 5-7 packe im Lebensmittel im Ullrich am Zoo aus.

Ich schaffe dadurch genug Geld ran und kaufe also für alle meine Lieben die wundervollsten Geschenke. Das funktioniert auch die darauffolgenden Jahre sehr gut.

Leider reichen mir die Augenringe aber schon bis zur Oberlippe und mein Studium habe ich natürlich längst abbrechen müssen.

Nach genau 4 Jahren rafft es mich schließlich hin.

II.

Ich komme auf eine neue geniale Idee: Klauen.

Aber natürlich nicht Kinderriegel im nächsten Laden sondern gut geplant und fachmännisch ausgeführt.

Ich schlendere durch das KdW und sehe mich ausgiebig um. Das wiederhole ich 3 Wochen. Ich inspiziere insbesondere einen Juwelier. Ich beobachte die Öffnungszeiten, ich spreche mit Verkäufern und Kunden. Ich informiere mich über das Umfeld der Verkäufer und hole Erkundigungen ein wer Besitzer des Geschäfts ist. Ich bereite mich vor. Ich bereite mich wirklich gut vor!

Als nächstes bewerbe ich mich auf einen Posten bei einer internationalen Firma, die mit Feinkost handelt.

Nach einigen Monaten bekomme ich die erhoffte Stelle:

Ich bin Beifahrer und liefere Lebensmittel höchster Güte an die gehobene Kantine im KdW.

Ich arbeite mehrere Monate artig, verlässlich und für die Kollegen immer freundlich. Dann schlage ich zu. Detlef(mein Stammfahrer) ist krank und ein Azubi(Ronny) fährt mit mir.

Am KdW angekommen will ich die Gunst der Stunde nutzen.

Was ich für meinen Einbruch brache?

-> den kleinen Feuerlöscher aus der Kabine des Lkw(2,5kg)

-> die beiden großen Feuerlöscher(je 15kg) aus der Anlieferung

-> meinen blauen Rucksack.

Tatsächlich ist es noch einfacher als geplant den Azubi im Laderaum des Lkws einzusperren.

Ich buckele die Feuerlöscher und mache mich auf den Weg ins Treppenhaus und damit nach oben. Dort angekommen verbreite ich reichlich Löschschaum über Kameras, Geländer und Fußboden.

Schlussendlich werfe ich mit dem kleinen Feuerlöscher die Scheibe des Geschäfts ein.

Ich bediene mich reichlich an den Schmuckstücken. Selbstverständlich habe ich vorab eine Auswahl getroffen um kein unnötiges Gepäck umherzutragen. Ein älterer Juwelier mit großer Erfahrung stand mit dabei zur Seite.

Die Alarmanlagen des Kaufhauses lösen natürlich trotzdem aus.

In doch eher schnellem Schritt laufe ich die Treppen herunter, zwinge den Azubi mit mir die Kleidung zu tauschen und lasse ihn samt fast leerem großen Feuerlöscher im Anlieferungsbereich sitzen.

Ich steige also in den Lkw und fahr los. Leider kommt mir schon nach einigen Minuten die Polizei nachgefahren. Ich lasse mich natürlich nicht so schnell zum Stehen bringen, doch kann ich mit dem Lkw nicht lange standhalten. In der dritten Polizeisperre bleibe ich schließlich hängen(Auffahrt A10).

Die Verurteilung verläuft schneller als erwartet. Ich gestehe, werde verurteilt und bekomme schließlich einen Urlaub mit Vollpension für 5 Jahre und 6 Monate geschenkt.

Angekommen im Feriendomizil(Justizvollzugsanstalt Charlottenburg) bekomme ich ein schönes 4 Personen Zimmer und lebe mich schnell bei meinen Zimmergenossen ein(Schlägerei, Diskussion, Beschimpfungen, Schlägerei, 4 Tage Einzelzelle, Streit, Schlägerei, Streit, Schlägerei).

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Nach 3 Jahre und 8 Monaten(und auch 2 gebrochenen Armen und unzähligen Prellungen und Blutergüssen) hat sich mein Leben schließlich auf eine Einzelzelle konzentriert.

Ich werde depressiv und werde nach genau 4 Jahren, 5 Monaten und 15 Tagen in meiner Zelle gefunden.

III.

Google, ich nutze einfach Google!

Nach einer kurzen Suche zeigt sich, dass es ganz einfach ist einen erfolgreichen Studienabschluss zu machen. Nach 5 Minuten habe ich entsprechende Urkunden auf dem Schreibtisch.

Ich borge mir bei meiner Oma 9000€, reise für ein Wochenende nach Heidelberg und kehre mit Magna cum laude zurück.

Schnell bewerbe ich mich und bekomme tatsächlich eine Stelle an der TU in Berlin.

Ich arbeite am Lehrstuhl für technische Physik mit Schwerpunkt auf Verbesserungen an Analysegeräten in Teilchenbeschleunigern.

Da ich natürlich keine Ahnung davon hab, bin ich nach der ersten Woche(ich lese aus Büchern vor) erstmals krank.

Leider werde ich nach 3 Monaten entlassen und des Betruges angeklagt.

IV.

Ich laufe zum nächsten Schreibwarengeschäft und erstehe schönes Papier für 5€

Zuhause mache ich mich daran Karten daraus zu basteln, die nicht unbedingt einen Designpreis gewinnen werden, wohl aber von Herzen kommen.

Die Karten fülle ich mit liebevollen, individuellen Worten an meine Lieben und übergebe sie ihnen schließlich mit warmen Worten.

Wie einfach es doch ist!

Arbeit, Arbeit

Wenn man so wie ich ständig abrufbereit sein muss, kann die Vorweihnachtszeit schon manchmal etwas an Ruhe verlieren.

Verfügbar muss ich immer sein, da ich ja neben dem Studium als Hauptkommissar tätig bin.

Gestern war es mal wieder so weit. Das Telefon klingelte und man informierte mich über einen Einsatz ganz in der Nähe, vor dem Schloss Charlottenburg. Ich sprang natürlich gleich auf und ließ mich von einem Streifenwagen abholen. Wir fuhren vielleicht 3 Minuten aber dennoch gelang es mir dank meiner tadellosen Ausbildung den Streifenpolizisten der mich fuhr mit herablassenden Kommentaren zu belegen. Sichtlich frustriert blieb er im Wagen sitzen nachdem ich ihm “Wahnsinn, du kannst sogar n bisschen Autofahren, jetzt bleib hier stehen, sonst überforder ich dich noch.” entgegengeworfen hatte.

Offiziell war ich zum Weihnachtsmarkt vorm Schloss beordert worden um eine Schlägerei zwischen glühweintrunkenen Raufbolden zu schlichten. Auch die Polizei weiß natürlich das ihr Funk abgehört wird. Daher sollte dies nur Tarnung sein, wobei mein eigentlicher Auftrag darin bestand den Hintermännern der Glühweinmafia auf den Zahn zu fühlen.

Ich machte mich also schnurstracks auf zum erstbesten Glühweinstand. Ich kippte den ersten Glühwein gleich auf ex. 5€. 2,50€ Pfand für die doofe Tasse. Ich entschloss mich gleich aufs Ganze zu gehen. So rief ich dem Verkäufer zu: “Hey, haste auch n bezahlbarn Glühwein?? Ick kann doch hier nich 1000€ fürn Glas bezahln!”

Er erklärte mir die Zusammensetzung des Preises. Eigentlich sabbelte er aber nur rum und blickte dabei ängstlich umher. Ich roch den Braten gleich.

Wie der Blitz war ich über den Tresen gesprungen und hatte ihn am Schlafittchen. “Wer kassiert hier ab? Wenn du denkst du kannst mir hier Mist erzählen, dann hast du die Rechnung ohne den Wirt gemacht!!!”, brüllte ich ihm ins Gesicht.

Er versuchte mir zu erklären das er nur Verkäufer ist und den Glühwein ganz normal vom Großhändler bezieht.  Na darauf hatte ich gewartet! Solche Ammenmärchen!

Ich drückte ihn im Polizeigriff auf den klebrigen Tresen und goss ihm heißen Glühwein in den Nacken.

“Rede du Lappen!”, schrie ich ihm ins Ohr. Aber er wiederholte nur die Geschichte vom Großhändler und beteuerte unschuldig zu sein. Ich musste wohl grob werden.

Ich also schmiss ihn in die Ecke und pfefferte ihm mit voller Wucht mit heißem Glühwein gefüllte Tassen an den Kopf. Ich war in Vernehmungstechnik monatelang geschult worden und wusste was zu tun ist. Nach 6 bis 8 Tassen rief ich ihm immer wieder wutentbrannt entgegen was ich hören wollte: “Du kaufst den Glühwein von der Mafia, gibs zu! Das ist die wahre Erklärung für den Preis!!!”.

Nach etwa 40 Tassen(ca. 15l Glühwein) gab er schließlich klein bei.

Er rief mir mit letzten Kräften entgegen: “Ich kauf den Glühwein bei der Mafia, ja! Ja das ist die wahre Erklärung. Ja, wirklich!! Bitte aufhören. Wirklich!”

Ich wusste es. Ich hatte es von Beginn an gewusst. Ich ließ mir daraufhin von ihm noch 4 Glühwein einschenken(jetzt natürlich kostenlos) und kippte sie wieder gleich herunter.

Auf dem Weihnachtsmarkt wurde es merklich wärmer. Ich bewegte mich leicht schwankend auf den Wagen zu.

“Gendarmenmarkt”, brummelte ich nur. Sofort fuhr der Streifenpolizist los. Unterwegs zwang ich ihn mir am Drive Inn einen Kaffee zu spendieren.

Schließlich gelangten wir am Markt an. Mit meinem Ausweis konnte ich den Eintritt natürlich sparen. Es muss ja wenigstens ab und an mal einen angenehmen Moment geben in diesem Job.

Ich lief einige Zeit über den Weihnachtsmarkt und beobachtete verschiedene Glühweinstände.

Schließlich entschied ich mich für einen mit hölzernem Dach und kitschigem Namen. Ich bestellte 3 Glühwein und trank sie sofort. Ich zahlte nicht und provozierte so ein Gespräch mit dem Verkäufer.

Ich sagte ihm, dass ich nicht zahlen würde, weil es mir zu teuer ist und(!) weiß ich wüsste, dass er mit der Glühweinmafia zusammenhängt.

Er gab schnell klein bei. Ich zerwarf etwa zwei Dutzend Tassen vom Stand und trank dann mit dem Verkäufer 8 Glühwein gemeinsam. Sie gingen auf ihn.

Über den Glühwein waren wir Freunde geworden(dachte er wohl) und er kam mit zum Auto.

Er hatte zugesagt mich zu den Hintermännern zu führen.

Wer zwang die Händler überteuerten Glühwein zu verkaufen?

Wer streckte den Glühwein mit billigem Rum und Traubensaft?

Wer steckte hinter alle dem?

Der völlig betrunkene Verkäufer dirigierte uns auf die Autobahn in Richtung Potsdam. Schließlich fuhren wir dort durch die Stadt und landeten im verlassenen Ortsteil “Golm”.

Der olle Streifenpolizist fuhr durch den ganzen Unikomplex dort, eckte hier an und da und hielt schließlich vor Haus 6.

An dieser Stelle muss ich die Erzählung aus rechtlichen Gründen einstellen. Ein jeder muss sich nun leider denken wer Kopf der Glühweinmafia ist!

Prost!

13427-Zauberhafter-Gluehwein

Wahres Können

Als Student freut man sich an jedem neuen Tag auf die Vorlesungen, Seminare und Übungen. Die Veranstaltungen sind nicht nur top vorbereitet von beiden Seiten, nein die Fertigkeiten Dozierender Wissen zu vermitteln sind in Effizienz und Kompetenz überwältigend. Ich möchte einmal anhand von 2 Beispielen zeigen, wie wunderbar das Lernen sein kann!

Stellen wir uns einen Situation vor. Wir befinden uns in einem Geschichtsseminar. Anstatt jedoch durch nichtsbringende Lehrmethoden wie Gruppenarbeit, Präsentationen oder Diskussionen Zeit zu verschwenden, geht der Dozent hier fachlich wie pädagogisch von Anfang an in die Vollen! Er lässt Texte lesen! Fast schon ein Durchbruch. Sein System der Lehre ist einfach wie genial: Von Woche zu Woche werden Texte von den Studenten gelesen und in der darauf folgenden Sitzung wird der Inhalt benannt. Die Texte selbst sind dabei der Knüller schlechthin! Reiseberichte und nichtssagende Zeitungsartikel von vor 300 Jahren. Vor solch Reformpädagogischen Geschick verneige ich mich tief!

Ein weiteres Beispiel: Denken wir uns ans Musikinstitut. Hier werden die Grenzen der Pädagogik gänzlich durchbrochen!!

Hier arbeitet der Dozent mit Powerpoint Präsentationen. Um die Belastung für die oft überlasteten Studenten gering zu halten spart er mit Informationen. Seine Faustregel: Nicht mehr als 2 Stichpunkte pro Folie und nach einen solchen Folie mit Information, mindestens 3 Folien ohne Inhalt. So ist also für jeden Studenten Wissenszuwachs garantiert, wobei mh. Naja auf jedenfall ist es mit Powerpoint!

Ein besseres Beispiel des Dozenten: Jeder kennt die Situation, wenn es unruhig im Vorlesungsraum wird. Unser Beispiel hat jedoch Methoden entwickelt um allem Herr zu werden. Wird es laut, ertönt vom Dozenten ein qualifiziertes „Pschscht!“, man fühlt sich in die Grundschule zurückversetzt und somit geborgen. Genial!

Aber es kann auch ernst werden. Um Momente der Eskalation zu vermeiden, nutzt unser Super-Dozent Verwarnungen wie: „Gleich werd ich aber ungemütlich“.

Es ist toll. Ich kann nicht umhin zu sagen, dass jeder, JEDER(!) unserer Dozenten als Reformpädagoge bezeichnet werden sollte. Wir alle können dankbar sein für diese gebündelte Kompetenz!

Leistung

Es ist schon manchmal erstaunlich zu welcher Leistung ein Mensch in der Lage ist. Es gibt Menschen in Afrika, die 10 kg schwere Amphoren mit Wasser über weite Kilometer auf dem Kopf tragen. Es gibt Menschen, die Laufen auf glühenden Kohlen! Nun wird jemand berechtigter weise sagen: das is ja wohl schon die Höhe der menschlichen Leistungsfähigkeit. Mag sein. Aber das Unileben Leute, das ist nicht die Höhe, das ist der Gipfel!

Ich möchte nicht von mir behaupten ich könnte Wasser ewig lang auf dem Kopf tragen oder über Kohlen gehen. Aber schau ich auf gestern in meine Seminare wird so mancher erstaunt sein über so viel Leistung. Ich kann stolz von mir behaupten, dass ich körperlich wie geistig zu folgendem in der Lage bin:

Ich kann: morgens(9:00) zu Uni fahren, dann 45 min. auf Blumentöpfen rumtrommeln. Danach gelingt es mir dann schon nach 4 Stunden Pause ohne weiteres 90 Minuten Squaredance zu tanzen. Und nach all den Strapazen schaffe ich sogar noch die Rückfahrt nach Berlin.

Wahnsinn, manchmal bin ich von meiner eigenen Leistungsfähigkeit überrumpelt;)

Freiheit

Ja es ist Freiheit! Ein Ende allen Zwangszuständen! Ein Ende der Fremdherrschaft! Ein Ende dem Elend!

Die Universität Potsdam ist nicht mehr besetzt!

Die Aktionen der „Besetzer“ begrenzen sich jetzt auf das Klauen von Anwesenheitslisten. Das zeugt von weitsichtigem Denken und Vernunft.

Die neu erlangte Freiheit geht sogar so weit, dass wieder Vorlesungen im Audimax stattfinden!!!

Davon können wir noch unseren Enkeln erzählen.

Besatzung

Die glorreichen Besatzer unserer Uni, haben tatsächlich wieder große Erfolge eingefahren. Dank ihres selbstlosen Einsatzes(trinken, rauchen, feiern) ist es ihnen gelungen die Qualität in der Lehre für alle zu verbessern. Neuerdings wird also jedes Bier in der Mensa 5 ct weniger kosten. Was für ein durchschlagender Erfolg! Zu allem Überfluss sind die „Besatzer“ politisch auch noch völlig neutral. Sie sprechen von Solidarisierung mit Ihnen und gemeinsamem Kampf gegen die Politik. Also alles neutral formuliert. Das zeichnet sie aus. Wir können also auch hier in Potsdam dankbar sein,dass willensstarke, fleißige, politisch neutrale Genossen für uns Studenten kämpfen;)